Despacho-Zeremonien

Autorin: Madita Böer

Was sind Despacho-Zeremonien?

Despacho-Zeremonien bilden in der schamanischen Andentradition eine von drei Säulen. Die zwei weiteren Säulen sind die verschiedenen Initiationen und die Arbeit mit der Mesa.
Das Despacho oder auch Haywarikuy genannt, reicht in seiner Tradition weit in die Prä-Inka Zeiten der Chavin zurück. Einige Fundstätten werden auf 1.500 v. Chr. datiert.
Ein Despacho ist ein schamanisches Gabenbündel, welches aus Süßigkeiten, Cocablättern, Kräutern, Figuren und vielen kleinen Dingen besteht.
Jede Zutat repräsentiert einen Aspekt des Kosmos und der Natur – angefangen bei Pachamama, den Elementen, Bergen, Sternen, der Sonne, den Flüssen, den männlichen und weiblichen Urkräften usw. Die einzelnen Zutaten, welche diese Aspekte verkörpern, bekommen durch die Kraft deines Atems diese Bedeutungen!
Despacho-Zeremonien helfen dir deine persönlichen Heilungsanliegen und deine Themen in Bewegeung zu bringen. Sie sind in der schamanischen Arbeit fester Bestandteil eines Heilungsprozesses, aber auch ein Dankbarkeits-Ritual für die Natur.

Deine Beziehung zu Mutter Erde

Häufig wird in TV-Dokumentionen von “Opfergaben” gesprochen, wenn indigene Kulturen mit ihren Bräuchen vorgestellt werden.
Wer jedoch tiefer in die schamanische Andentradition eintaucht, versteht schnell, dass hinter dem Akt des Gebens, vielmehr als eine Besänftigung der Götter oder eine ehrfürchtige Bittstellung steht.
In der schamanischen Kosmologie ist das Prinzip “Ayni”, welches das Quechuawort für “Wechselwirkung” ist, die wichtigste Grundlage für ein gutes Leben. Das Prinzip der Wechselwirkung impliziert, dass alles auf diesem Planeten auf gegenseitiger Wechselwirkung basiert. Nichts und niemand kann unabhängig sein – weder von anderen Menschen, anderen Kulturen, noch von der Natur. In unserer westlichen Perspektive wurmt uns der Gedanke, dass wir keine Unabhängigkeit erreichen können, streben wir doch nach Freiheit und Individualität. Diese Ziele stehen dabei nicht im Widerspruch zum Prinzip der Wechselwirkung.
Ayni ist vielmehr ein Potenzial, welches wir in Europa bisher nicht nutzen, weil uns unsere Verbindung zur Natur verloren gegangen ist. Die Natur ist für uns eine Art Umgebung, eine Ressource und ein Lebensraum.
Die Schamanen Perus sehen das Ayni mit der Natur als Grundlage für unsere seelische Entfaltung. Aus ihrer Perspektive ist die bewusste und liebevolle Beziehung zu Pachamama, Mutter Erde, die Basis für phyische Gesundheit und emotionale Stabilität und Unterstützung auf unserem Lebensweg.
Mutter Erde ist nicht nur ein Objekt, ein Raum, welcher betrachtet werden kann, sondern sie nimmt uns ebenfalls wahr. Wer glaubt, dass Wahrnehmung das Privileg eines Wesens mit Gehirn ist, irrt sich. Bäume nehmen über chemische Botenstoffe andere Bäume wahr, Mikroorganismen tauschen Elektronen aus und nehmen sich in ihrer DNS wahr und jeder, der eine Erbsenpflanze im Garten hat, weiß, dass die kleinen sprialförmigen Ärmchen biegen, sobald man sie mit dem Finger berührt.
Die Natur nimmt uns Menschen wahr. Wenn wir diese Tatsache anerkennen, dann ist die nächste Frage, die ansteht: wie ist deine Beziehung zu Mutter Erde?
Welche Qualität hat dein Ayni, deine Wechselwirkung mit Pachamama?


Munay Despacho

Yanantin Despacho

Apu Despacho


Despacho-Zeremonien als Akt der Rückverbindung zur Natur

Eine Despacho-Zeremonie ist ein sehr cleverer Akt der Rückverbindung, denn wir beginnen eine Wechselwirkung mit Pachamama, die wir lange Zeit vernachlässigt haben.
Indem wir uns Zeit für eine Despacho-Zeremonie nehmen, die Zutaten liebevoll auswählen und mit Hingabe alle Zutaten mit unserem Atem segnen, investieren wir eine große Menge Energie.
Mit dieser Liebe und Hingabe wird eine Despacho-Zeremonie zu einer Gabe für Mutter Erde und all ihren Aspekten und Kräften.
Im Austausch erhältst du ihre Kräfte und ihre Liebe. Du bekommst ihre Ordnung, ihre leichte Energie, ihre Weisheit und ihre Perspektive. Die Natur ist authentisch, in jedem Augenblick – je mehr Austausch du mit der Natur hast, umso authentischer wirst du.
Genau das brauchen wir. Unser Körper ist auf die Elemente der Natur angewiesen und nährt sich damit. Aber auch unsere seelische Entfaltung steht in enger Beziehung zu Mutter Erde. Wenn wir den Gedanken annehmen, dass die Natur uns ebenfalls wahrnehmen kann, dann ist Mutter Erde ein mächtiges Wesen, welches unser Leben weit überblicken kann. Sie war vor unserere Geburt da und wird uns noch lange überdauern. Die Schamanen sagen, dass Pachamama die Wege der Menschen verwebt – sie erschaffe Lichtpfade, auf denen wir uns an wichtige Kreuzungen begegnen. Wir nennen das Synchronizität oder auch Zufall.

Eine Despacho-Zeremonie bringt dich in eine persönliche Beziehung mit dem Mutter Erde. Du pflegst damit diese Beziehung wie eine Freundschaft.
Natürlich stehst du auf einer unbewussten Ebene immer in Wechselwirkung mit Pachamama. Aber die Qualität dieses Austausches liegt ganz bei dir. So kannst du eine schlichte, kraftlose und sich auf das Notwendigste beschränkende Beziehung haben oder du wählst eine liebevolle und unterstützende Beziehung. Diese Wahl liegt ganz bei dir.

Verschiedene Despacho-Zeremonien

Ich mache das ganze Jahr über regelmäßig Despacho-Zeremonien und zeige damit meine Dankbarkeit und Liebe.
Besondere Anlässe sind zum Beispiel die Tag- und Nachtgleichen, Sonnenwenden und der Jahreswechsel. Zu diesen Jahresfesten macht man unterschiedliche Despachos, die einer festen Struktur folgen. Hier dreht sich alles um deine Beziehung zu den Kräften, die Würdigung der Sonne, als Lichtquelle und Portal zur Seele sowie um die Würdigung aller großen Berge der Welt.
Doch auch jedes Mal, wenn ich in die Berge wandere, dann nehme ich ein Despacho-Kit mit, um mich hoch oben mit Pachamama und den Bergen zu verbinden. Für mich sind Wanderungen immer eine Pilgerreise – ich widme meine Anstrengungen einem Thema und setze meine Intention, bevor ich aufbreche.
Die Vielfalt der Despacho-Zeremonien ist groß.
Das klassische Ayni-Despacho ist für die Rückverbindung und die Balance in einem Thema. Das Ayni-Despacho machst du, um Bewegung in ein festgfahrenes Thema zu bringen. Wenn es darum geht eigene Probleme zu lösen, dann rühren wir doch oftmals zuviel in der eigenen Suppe. Hier hilft das Ayni-Despacho und unsere Wechselwirkungen positiv mit den zurückfließenden Kräften der Erde zu beeinflussen.

Es gibt grundlegende Regeln für ein Despacho. Das Wissen um die Bedeutungen der Zutaten ist für die meisten Despachos gleich. Ebenso die Grundstruktur und die Arbeit mit den K´intus.
Ein K´intu ist ein Set aus drei Cocablättern, in welches du deine Gebete pustest. Die drei Blätter stehen symbolisch für die drei Welten und deine drei Zentren: Kopf, Herz und Bauch.

Wenn man diese Grundstrukturen einmal verstanden hat, dann ist es einfach, den Aufbau anderer Despacho-Zeremonien zu verstehen. In meinem Online-Kurs “Despacho-Workshop” ist ein Grundlagen-Teaching und ein Video über die Zutaten inkludiert.
Lies diesen Artikel bis zum Ende – es wartet ein Geschenk auf dich!

Despacho- Zutaten

In Peru kann man fertige Despacho-Kits für unterschiedliche Despachos auf dem Makrt kaufen. Meistens gibt es eine handvoll Kits, die dann um einzelne Zutaten ergänzt werden, um ein bestimmtes Despacho zu legen.
Trotz aller Grundlagen geht es aber bei den Despacho-Zeremonien nicht darum “alles traditionell korrekt” zu machen. Oftmals bekomme ich Emails mit der Bitte, die genauen Zutaten für einen Despacho-Anlass mitzuteilen.
Der schamanische Weg ist ein Weg des Fühlens – wir leben hier in einer Gesellschaft der Logik und brauchen Regeln und Leitfäden, um uns sicher zu fühlen. Deshalb habe ich den Online-Kurs erstellt. Dieser hilft dir die Basics zu verstehen und dann kannst du dich dem Fühlen hingeben, Zutaten ergänzen, abwandeln und einfach kreativ sein.
Die meisten Zutaten haben wir Zuhause. Wir brauchen keine original Coca-blätter oder Kräuter der Anden. Wir nehmen einfach das, was wir hier haben.

Zutaten für eine Despacho-Zeremonie

Weißes Papier Bei einer Person ca. 40 x 40 Zentimeter groß oder kleiner, bei einem Gruppen-Despacho 50 x 50 Zentimeter groß. Zum Beispiel Seidenpapier, Papiertischdecke von der Rolle, Geschenkpapier-Rückseite.

Weißes Band Zum Zubinden des Despachos.

Rotwein und Weißwein im Eierbecher

Ein paar Blumen und Blütenblätter (klassisch sind rote und weiße Nelken)

Blätter für deine Kintus (Eukalyptus, Rosenblätter, Lorbeer, Minze, Salbei, Birke, Buche)
Ein Kintu besteht aus 3 Blättern. Du benötigst mindestens 12 Blätter für ein Despacho.

Eine Muschel als Zentrum für das Despacho. Diese wird mit Lamafett (Palmfett) gefüllt und mit kleinen Details verziert.

Zucker Um Süße einzuladen.

Cocasamen (Anissamen, getrocknete Wacholderbeeren, Leinsamen) Für die Inkatradition. Lädt sie ein, bei deinem Despacho anwesend zu sein.

Wiracoya-Heilkräuter (Schafgarbe, Kamille, Lavendel, Rosmarin, Salbei) Bringt die Heilkraft der Pflanzen und der Berge, an denen sie wachsen.

Reis Fruchtbarkeit der Erde und Klarheit.

Süßigkeiten Wenn du rufst, dann rufe mit Süße! Pachamama liebt Süßigkeiten!

Bunte Zuckerperlen Kolibrifutter, der Nektar deines Herzens.

Mais Erdung, genährt sein, Kraft.

Rosinen Für die Spirits unserer Vorfahren.

Feigen Für die Spirits der Berge (Apukuna).

Kekse/Süßigkeiten in Tierform Für die Tierwelt.

Buchstabennudeln Kommunikation jenseits von Worten.

Räucherwerk (Copal, Weihrauch, weißer Salbei) Reinigung, Gabe für die Apukuna.

Konfetti Freude, feiert das Leben.

Deine seelische Signatur im Despacho

Jeder Paqo (so heißen die Schamane*innen Perus), hat seine eigene Despacho-Signatur. Der eine mag es, wenn die Zutaten auf kleinen Haufen im Kreis angeordnet werden, ein anderer mag es filigraner und verteilt die Zutaten. Wieder andere benutzen weiße Watte als Grundlage und platzieren dort alle Zutaten drauf, während andere auf weißem Papier arbeiten.
Ob Rosen oder Nelken, ganze Blumen oder gezupfte Blütenblätter – hier ist deine Ästhetik gefragt. Du entscheidest, wie dein Despacho schön aussieht. Das schöne an den Despacho-Zeremonien ist, dass sich deine Ästhetik materiell im Mandala ausdrückt.
Du wirst erstaunt sein, welche Schönheit du in dir trägst, die dann im Außen sichtbar wird.

Los geht´s – Mache dein erstes Despacho

Wie geht es nun weiter?
Falls du mein Buch “Der Ruf von Mutter Erde” hast, dann findest du in Kapitel 3 eine ausführliche Anleitung für Despacho-Zeremonien.
Falls nicht, dann habe ich jetzt ein Geschenk für dich!
Ich schenke dir den kostenlosen Online-Kurs “Free Despacho Tutorial”, den ich 2016 in Peru gereht habe.
Aber nicht nur das, sondern ich schenke dir auch den ersten Teil vom “großen Despacho-Workshop”.
Damit bist du bestens ausgestattet, um sofort mit deinen Despacho-Zeremonien loszulegen.

Geschenk: Free Despacho-Tutorial

5 Videos – 75 min
1. Einführung
2. Despacho-Kit vom Markt – Was ist drin?
3. Ayni-Despacho
4. Zeremonie beenden
5. Feuerzeremonie
+ 1. Teil vom großen Despacho-Workshop GRATIS

Geschenk: 1. Video vom Despacho-Workshop

Im großen Despacho-Workshop lernst du verschiedene Despacho-Variationen und bekommst Handouts mit den Zutatenlisten.

  • Umfangreiche Einführung mit den Grundlagen der Despacho-Arbeit
  • 4 unterschiedliche Despachos mit mir und den Paqos aus Peru
  • 4 Videos + BONUS (4x 90 min | 1x 150 min) als Aufzeichnung im Member-Bereich
  • Handouts mit Zutatenliste zu jedem Video
    zeitlich unbegrenzter Zugang zum Member-Bereich

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