In den Armen von Pachamama – Das Geheimnis der Natur-Kommunikation

Mai-Ausgabe Maas-Magazin 2022

Mutter Erde ist ein wundervolles Wesen. Sie ist deine kosmische Mutter und jede Heilung beginnt mit einer Rückverbindung zu ihr. Sie war dabei, als du geboren wurdest. Sie hat deine ersten Schritte auf ihrer Erde gespürt. Sie hat deine Seele mit jedem Atemzug genährt. Jede deiner Tränen ist in ihre Ozeane geflossen und jedes Lachen hat Energie von ihr in Vibration versetzt. Sie ist Zeuge deiner kompletten Entwicklung. Sie wacht über dich, wenn du schläfst und deinen Körper kontrolllos in ihre nächtlichen Arme übergibst und sie lässt dich ebenso wieder aufwachen.

Du und ich, wir alle stehen mit Mutter Erde seit unserer Geburt in einer engen Verbindung.

Sie kennt deine Seele, sie weiß, warum du hier bist und sie webt Fäden aus Licht, die dich leiten und dich zu wichtigen Stationen in deinem Leben führen. Mutter Erde ist allwissend – die Schamanen Perus sagen, dass du die Hilfe und die Unterstützung von Mutter Erde, Pachamama, benötigst, wenn du dich in deinem Leben voll entfalten und deinen Weg finden willst.

Mutter Erde – Umarmung aller Perspektiven

Stell dir einmal die Menge an Wissen und lebendiger Energie vor, über die Pachamama verfügt. Sie kennt die Wege jedes Menschen, sie trägt die Erinnerung der Vergangenheit in ihrer Erde, stellt Weichen und orchestriert die Zukunft. Wenn sie riesen große Arme hätte, dann wären in dieser Umarmung alle Berge, Ozeane, Wüsten, Tiere, Menschen, Mikroben, Steine, Stürme, einfach alles. Mutter Erde verbindet in ihrem Bewusstsein alle Bewusstseinsformen der Natur. Wenn auch du deine Perspektive für dein Leben weiten und ausdehnen möchtest, dass findest du neue Sichtweisen, in deiner Verbindung mit der Erde.

Pachamama weitet deine Perspektive.

Sie hilft dir deine einzelnen Wahrnehmungskanäle: Verstand, Gefühle und Körpersignale zu vereinen, damit ein neues Bild deines Lebens entstehen kann. Mit unserer Geburt begeben wir uns in eine Fragmentierung. Unser Gesamtbild, dessen, wer wir sind, wird in Einzelbilder zerlegt. Unser Geist wird separiert von unserem Herzen und von unserem Körper. Jede dieser Instanzen hat ein eigenes Bewusstsein, und eine ureigene Form der Wahrnehmung. Unsere Aufgabe im Leben ist es, diese Einzelbilder wieder zusammenzufügen, um das Gesamtbild unserer Existenz zu bekommen. Unsere Seele ist wie Pachamama, sie möchte all ihre Kinder wieder in einer großen Umarmung vereinen.

Fühlen – unsere Verbindung zur Natur

Wir Menschen verfügen über mehrere Möglichkeiten der Wahrnehmung. Unsere geistigen Fähigkeiten, unser Denken, unsere Logik, unser Verstand sind nur ein Weg von vielen, um unsere Welt zu betrachten. Das hören wir nicht gerne, denn wir haben unseren Verstand sehr gut entwickelt und viele technische Errungenschaften und eine florierende Wirtschaft hervorgebracht. Jedoch ist unser Verstand nicht in der Lage mit der Natur zu kommunizieren und er spricht auch nicht die Sprache unseres Körpers. Damit es leichter wird, dir vorzustellen, dass alle Lebewesen der Erde über unterschiedliche Wahrnehmungen verfügen, mach dir einmal die Unterschiede in der Tierwelt bewusst. Viele Tiere haben eine andere Art zu sehen, wie zum Beispiel Bienen, mit ihren Facettenaugen oder ein Huhn, welches bei Tempo 100 km/h noch die Schraube in einer Autobahn-Leitplanke erkennen könnte, während diese für unser Auge nur noch zu einem unscharfen Streifen verschwimmt. Ebenso haben viele Tiere ein anderes Gehör – Hunde und Fledermäuse haben ein breiteres Frequenzspektrum als wir Menschen. Sie hören Töne, die unser menschliches Gehör nicht mehr wahrnimmt. Jetzt stell dir vor, dass auch Pflanzen oder gar Steine über Wahrnehmungskanäle verfügen, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können.

Der Biologe, Philosoph und Publizist, Andreas Weber geht in seinem Buch Alles fühlt den gängigen Definitionen von Lebendigkeit auf den Grund. Die Frage, was Leben ist und wo es anfängt, ist nämlich auch in den Wissenschaften eine spannende und hoch aktuelle Frage. Andreas Weber kommt zu dem Schluss, den viele indigene Kulturen immer bewahrt haben: „Ohne das Fühlen zu berücksichtigen, ist der Aufbau eines Lebewesens nicht zu verstehen.“ So gibt uns seine Erkenntnis mit auf den Weg, dass Fühlen keine alleinige Eigenschaft des Menschen ist. Sie scheint vielmehr eine Sprache zu sein, die unterschiedliche Lebewesen miteinander verbindet.

Das Geheimnis deiner Wahrnehmungskanäle

Zwei sehr große Potenziale unserer Wahrnehmungsvielfalt sind in unseren Gefühlen und in unseren Körpersignalen verborgen. Sie ergänzen unsere Fähigkeit des Verstandes um weitere Informationen. Wenn du dir immer wieder bewusst machst, dass zusätzlich zu deinen Gedanken, auch andere Informationen im Raum stehen, dann fällt es dir einfacher, deine Gedanken einfach mal in eine Warteposition zu setzen, um die anderen Wahrnehmungsebenen in dir zu erkunden. Hier beginnt die Entfaltung deiner Natur-Kommunikation. Mit dieser kleinen Aufstellung deiner drei Wahrnehmungskanäle wird es dir gelingen, deine Gedanken immer wieder zu erkennen und von Gefühlen und Körpersignalen zu unterscheiden.

Verstand – Lernen durch Erfahrungen und Logik

Unser Verstand ist ein fantastisches Lern-Werkzeug. Wir speichern Erfahrungen ab, lernen aus Ihnen und ziehen Schlussfolgerungen, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Das ist Logik. Dein Verstand kann nicht nachvollziehen, was Körpersignale sind. Er spricht diese Sprache nicht. Achte darauf, wie schnell es dir passiert, dass du Gefühle oder Körpersignale interpretierst, ihnen einen Grund andichtest, sie bewertest und sogar als unsinnig oder nicht wahr ablehnst, nur weil sie keiner Logik folgen oder zu keiner logischen Schlussfolgerung führen. Oftmals lehnen wir Gefühle und Körpersignale ab, die unserem Selbstbild widersprechen. Warum wird unser Solarplexus plötzlich hart, obwohl wir diese Arbeit immer gerne gemacht haben? Emotionen und Körpersignale verunsichern unseren Verstand, welcher nur auf Erfahrungswerte und erprobte Selbstbilder zurückgreifen kann. Veränderungen sind für ihn kein sicheres Terrain. Erlaube in dir Widersprüche und fehlende Logik.

Emotionen – Es ist sicher zu fühlen

Hab keine Angst vor deinen Gefühlen. Es ist sicher zu fühlen. Oftmals drücken wir unsere Emotionen weg, weil wir eine riesen Angst vor möglichen Konsequenzen haben. Wenn wir keine Freude mehr im Leben spüren, drängt sich direkt die Angst vor großen Veränderungen, vor Auswanderung oder Trennung auf. Nur weil wir Emotionen haben, die unserem bisherigen Selbstbild widersprechen, heißt dies nicht, dass wir sofort unser Leben umkrempeln müssen. Oftmals sind diese Gefühle eine große Chance für Wachstum und Vertiefung von Beziehungen zu anderen und zu uns selbst. Wir können uns mit diesen Gefühlen in Ruhe auseinandersetzen, ohne Entscheidungen treffen zu müssen. Mach dir bewusst, dass das Unterdrücken deiner Gefühle insgesamt einen Effekt auf deinen gesamten Wahrnehmungskanal hat. Nicht nur deine Emotionen bleiben dir verborgen, sondern auch deine emotionale innere Führung und die Kommunikation mit der Natur. Denn Emotionen sind ein Teil deiner Körperkommunikation.

In der Welt der Emotionen gibt es keine schlechten und keine guten Gefühle. Einige Gefühle sind für uns schwerer zu ertragen, als andere. Angst ist nicht das Gegenteil von Liebe. Wir leben in einer Welt der komplementären Gegensätze. Jedes Gefühl hat ein Pendant, welches ein anderes Gefühl komplettiert. So gehören Angst und Mitgefühl, Trauer und Aufbruch, Wut und Transformation zusammen. Liebe ist eine Mischung, die entsteht, wenn diese Komplementäre in uns sein dürfen, wenn wir beide Seiten der Medaille erlauben. Erschaffe eine Atmosphäre in dir, in der es sicher ist zu fühlen.

Körpersignale – Natur-Identität

Dein Bauch ist der Sitz deiner Erdung, deiner Verbindung zu deinem Körper, deiner Natur-Identität. Hier zentrieren wir uns und bündeln unsere Kräfte. Wenn wir das Gefühl haben, nicht bei uns zu sein, unseren Fokus im Außen zu haben, dann haben wir unsere Erdung verloren und damit unseren Zugang zum Wahrnehmungskanal unseres Körpers. Dein Körper ist Natur. Er besteht aus den vier Elementen. Dein Körper spricht die Sprache der Natur, der Tiere, der Bäume und der Steine. Er reagiert auf Berührungen – auf Barfuß sein, auf das Anfassen eines Baumes, auf Sonnenstrahlen, auf das Baden im Atlantik. Dein Körper schenkt dir die Möglichkeit mit der Natur zu kommunizieren. Er verfügt über eine Standleitung zu Mutter Erde.

Deine Aufgabe ist es, deinen Kontakt zu deinem Körper zu üben, um in diese Verbundenheit einzutauchen. Sobald du deinem Körper und seinen Signalen Aufmerksamkeit schenkst, kommst du unweigerlich auch mit deinen Emotionen in Berührung. Deswegen ist es so wichtig, dass du die Angst vor deiner Gefühlswelt, in einen Raum der Sicherheit verwandelst. Deine Gefühle sind nicht deine reine Wahrheit. Hab keine Angst. Sie sind nur ein Puzzleteil deiner Erlebniswelt.

Wir leben in einer UND-Welt

Pachamama ist eine Welt voll mit Komplementären. Warum sollte deine innere Welt frei von Gegensätzen sein?

Befreie dich von diesem Irrglauben und genieße die Erleichterung, die sich daraus ergibt. Lediglich unser Verstand besitzt die Fähigkeit der Logik und des Intellektes. Sobald wir in die Wahrnehmung unseres Körpers eintauchen, entsteht eine Vielfalt und Gleichzeitigkeit von gegensätzlichen Gefühlen, die für den Verstand nicht logisch und vor allem widersprüchlich erscheint. Wir meinen dann, dass nur ein Gefühl wahr sein kann und dass wir uns für ein Gefühl entscheiden müssten. Widersprüche sind für unseren logischen Verstand ein No-Go. Wenn du deinem Verstand Glauben schenkst, dann wirst du dich in seinen Geschichten, Erklärungen und Meinungen verheddern und keine Lösungen finden, die sich leicht und wahrhaftig für dich anfühlen. Erlaube deinem Verstand in den Hintergrund zu treten. Erlaube Widersprüche, und nimm Abstand von den vielen Erklärungen und Geschichten deiner Gedanken.

Dein Verstand kann nicht nachvollziehen, dass in der Dimension deiner Gefühle, viele Gefühle gleichzeitig sein können. Dass wir Trauer und Freude, Wut und Erleichterung gleichzeitig spüren können. Dein Herz ist ein Tempel und eine Quelle aller menschlichen Emotionen. Sie sind wie Farben, die wir gleichzeitig benutzen dürfen. Rot, Blau, Gelb, Orange – und oftmals mischen sich die Gefühle und es entstehen neue Farbnuancen. Das ist ganz natürlich und darf sein. Dein Verstand versteht zwar das Konzept von Emotionen und von Körpersignalen, hat aber keinen Zugriff auf diese.

Erlaube dir vorzustellen, dass du in einer UND-Welt lebst.

Die Zweifel und die Geschichten deines Verstandes dürfen da sein, genauso wie deine bunten Gefühle. Und deine Körpersignale können eine Situation nochmal völlig anders deuten. Dein Körper zeigt dir, ob er sich in einer Situation wohl fühlt oder nicht. Widersprüche sind lediglich ein Ausdruck deiner Perspektiven. Es gibt keine Notwendigkeit, dass nur eine Wahrnehmung die echte und einzige ist. Sie alle haben ihre Berechtigung. Umarme deine UND-Welt. Wenn dir das gelingt, wirst du aufhören mit dir selbst zu kämpfen. Innerliche Konflikte weichen einem neuen Selbstbild, einer neuen Selbstsicherheit und öffnen deine Kommunikation mit der Natur.

Schritte zur Erweckung deiner Wahrnehmungskanäle

Schritt 1
Mach dir in kleinen Momenten deine Wahrnehmungsvielfalt bewusst. Frage dich:

Was denke ich gerade?
Nimm hier nur deine Gedanken wahr.

Welche Emotionen sind gerade in mir?
Hafte hier keine Erklärung deines Verstandes an, sondern nimm einfach deine Emotionen wahr, egal wie widersprüchlich sie sein mögen.

Welche Körpersignale sind gerade in mir?
Verwechsle diese nicht mit deinen Emotionen. Körpersignale sind Zeichen wie Anspannung, Entspannung, Wärme, Kälte, Weite, Enge.

Schritt 2

Reduziere Stress. Praktiziere jeden Tag einen Bodyscan.

Stress ist der Hauptfaktor, warum wir unsere Verbindung zur Natur verloren haben. Sobald wir Stress empfinden, büßen wir unsere Erdung, unsere Kraft im Bauch ein. Sobald unserer Körpermitte Energie entzogen wird, fällt es uns sehr schwer, zu fühlen. Wir bekommen dann weder unsere Emotionen bewusst mit, noch unsere Körpersignale. Und ohne eine Verbindung zu unserem Körper, fühlen wir unsere Verbindung zur Natur nicht. Wir fühlen uns dann alleine, einsam oder gar ungeliebt, weil wir den Energiefluss zwischen uns und Pachamama nicht spüren. Zudem fühlen wir uns orientierungslos, planlos, wir wissen nicht mehr, wer wir sind, was wir wollen, drehen unzählige Schleifen mit unserem Verstand und finden aber keine Antwort auf die Frage, was wir eigentlich wollen.

Komm also zurück in deine Erdung, komm nach Hause in deinen Körper.

Schritt 3

Verbinde dich mit Mutter Erde.
Stärke deine Körperwahrnehmung.

Lege beide Hände auf deinen Bauchnabel und atme sanft.
Dein Bauchnabel verfügt über eine energetische Nabelschnur zur Erde.
Fühle diese Verbindung zwischen dir und Pachamama.
Gib dieser Verbindung deine Aufmerksamkeit. Jeder Atemzug nährt deine energetische Nabelschnur.
Du kannst dich auch in der Natur auf eine Wiese legen. Lege dich mit dem Bauchnabel direkt auf die Erde. So kannst du über deinen Bauchnabel ein- und ausatmen. Es ist schön, die Oberfläche der Erde zu spüren.
Der schamanische Weg, ist ein Weg des Fühlens. Wir üben die Kommunikation mit der Natur. Wir lernen, alle unsere Wahrnehmungskanäle zu benutzen, zu fühlen und zu spüren, was anderen Menschen verborgen bleibt. Wir wachsen permanent über unsere alten Sichtweisen hinaus und bemühen uns liebevoll, all unsere Perspektiven, die vielen Widersprüche, in uns anzunehmen.

Werde auch Du zu deiner eigenen Pachamama. Du trägst das Geheimnis der Erde in deinem Körper.

Lesetipps

Madita Böer: Der Ruf von Mutter Erde. Die Weisheit der letzten Anden-Schamanen. Arkana Verlag.
Andreas Weber: Alles fühlt. Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften. Thinkoya.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.